18:00 - 21:00
Schlachthof (Kassel), Kassel

Ein Abend gegen Irrationalismus und instrumentelle Vernunft
Dies ist eine Veranstaltung vom Bündnis für Vielstimmigkeit im Feminismus. Jest wspierana przez pracę i życie E.V., Regionalne stowarzyszenie Gew Hessen (Hochschule und Forschung) und der August-Spies-Gesellschaft e.V.
Ausführliche Informationen gibt es hier.
Pandemie, Zmiana klimatu, Kriege, die Steuererklärung, der Verkehrsstau – Krisen über Krisen, und kein Ende in Sicht. Die einen fliehen in den Verschwörungsglauben oder gleich vollends in den Faschismus. Sie sind die Endzeit-Krieger in Tierkostümen, folgen QAnon bis ins Capitol. Sie sind die Aluhut-Trägerinnen, die gegen Chemtrails und Impfzwang demonstrieren. Es sind die Incels, die Reichsbürger, die Kämpfer gegen den »Great Reset« und den »Großen Austausch«.
Die anderen halten am gesunden Menschenverstand fest. Sie verteidigen den Experten gegen den Scharlatan, die Vernunft gegen den Wahn. Sie sind fleißig, halten Nationen und Eigentumsordnung für so natürlich, wie dass der Starke den Schwachen besiegen muss. Wiesz, dass Kollateralschäden nicht schön, aber unvermeidbar sind: Die Hungernden, die Obdachlosen, die Erfrierenden in jedem Winter, die Ertrunkenen im Mittelmeer. An Horoskope glauben sie nur, wenn die ihnen raten zu tun, was die Gesellschaft von den Menschen ohnehin verlangt. Ihre Vernunft ist eine instrumentelle, Vernunft im Dienste der Unvernunft. Es geht nur um das Wie, nicht um das Wofür. Effektivität ersetzt jeden Gedanken an eine menschenfreundliche Einrichtung der Welt. Erlaubt ist selbst im Denken nur, was nützlich ist. Lebenswert ist nur, wer produktiv ist. Normal ist, wer gesund ist und arbeiten kann.
Der Weg von Selbstoptimierung zu Eugenik ist kürzer als das Laufband im Fitnessstudio: instrumentell-vernünftig und mörderisch-wahnhaft zugleich. Das ist die Normalität, die die Demokrat*innen verteidigen, auch gegen die Rechten, die für ein neues, noch unmenschlicheres »normal« eintreten. Und alle feiern den normalen Menschen, den schlichten, hart arbeitenden, der von Intellektuellen, Lifestyle-Linken und Eliten verraten wurde – was bloß dem zynischen Zweck dient, die gesellschaftliche Stellung der Subalternen zu verewigen. Überhaupt ist die Normalität, die in jeder Krise als rasch Wiederherzustellende versprochen wird, eine trostlose Hoffnung. Denn der Normalzustand, »dass es so weitergeht«, ist die eigentliche Katastrophe.
Auf Bühne und Leinwand besichtigen wir den ganz normalen Wahn und den Wahn der Normalität, das Pathogene im Normalen, und das Irrationale, das aus diesem erwächst. Es wird so witzig, wie Adornos Stahlbäder lustig sind.
BITTE KOMMT GETESTET UND MIT MASKE
Bitte tragt während der Veranstaltung eine FPP2-Maske und kommt getestet.
Wir hoffen darauf, dass diese Bitte es (vulnerablen) Personen erleichtert, die Veranstaltung zu besuchen, und dass sie dazu beiträgt, die medizinisch-soziale Katastrophe der Covid-19-Langzeitfolgen stärker ins (politische) Bewusstsein zu rücken.
Denn es sind schätzungsweise eine Million Menschen in Deutschland in Folge einer Infektion an schweren Formen von Long Covid bzw. ME/CFS erkrankt – Krankheiten, die die Lebensqualität extrem einschränken und oftmals zu schweren Behinderungen führen. Überproportional häufig sind (junge) Frauen und queere Personen betroffen.
Auf politischer Ebene wird die Gefahr neuer Infektionen jedoch gänzlich ignoriert und die Betroffenen werden sich selbst überlassen. Die völlige Ausblendung der Pandemie-Folgen ist ins Wahnhafte abgedriftet.